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AKTIV FÜR DEN FRIEDEN_Wilfried Böske_01.JPG

Wilfried Böske

15. Jul 2013

Wilfried Böske, Jahrgang 1937, in Herford geboren. Besuch der Volksschule, dann folgten Handwerkslehre, Handelsmarine, danach Ausbildung zum Bauingenieur und Tätigkeit als solcher im öffentlichen Dienst.

Die „Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel!“ verdankt Ihnen 4.200 Unterschriften. Die haben Sie seit 2011 in unermüdlicher Aktivität gesammelt. Was motiviert Sie dazu?

Auf Grund meines Alters gehöre ich zu den Kriegskindern, von denen einige traumatisiert sind. Das gilt längst nicht für alle, wie ich auch an meinen Geschwistern erkennen kann. Bei einer generellen Traumatisierung durch Kriege wäre der 2. Weltkrieg nur 21 Jahre nach dem ersten Weltkrieg nicht möglich gewesen. Nach Krieg und Gefangenschaft kam unser Vater für uns als Fremder nach Hause. Die verlorenen Jahre konnten nicht mehr ausgeglichen werden. Unsere Mutter musste uns vier Kinder mit zusätzlicher Arbeit in anderen Haushalten und als Erntehelferin durchbringen. Ihre Verdienste sind unschätzbar, aber um Liebe und Zärtlichkeit auszudrücken, blieb keine Kraft.

Wann und sind Sie auf die Idee gekommen sich so intensiv für das grundsätzliche Verbot von Kriegswaffen und sonstigen Rüstungsgütern im Grundgesetz zu engagieren?

Die Ungeheuerlichkeit von Kriegen hat sich mir nach und nach erschlossen, hauptsächlich durch Lesen. Die Ungeheuerlichkeit hat zur Ermordung von 6 Millionen Juden, zur Vernichtung von Radgruppen (unwertes Leben), zur unmenschlichen Behandlung von Kriegsgefangenen geführt. Nach Angaben der UN sind gegenwärtig 45 Millionen Menschen auf der Flucht. Das Leid hinter diesen Zahlen ist unvorstellbar. Nach Siegmund Freud sind wir nicht Herr im eigenen Haus. Meine Prägung hat mich zur leidenschaftlichen Unterstützung der Friedenskampagne geführt. Ich bin den Trägern der Kampagnen sehr dankbar.

Ich war 27 Jahre ehrenamtlich im kirchlichen Bereich tätig. Am Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 bin ich in die Partei DIE LINKE eingetreten. Mein Bemühen für Frieden und Gerechtigkeit decken sich mit den Zielen dieser Partei. Das Bemühen, insbesondere auch der kirchlichen Organisationen, Not zu lindern und Wunden zu heilen, ist sehr verdienstvoll. Aber wir müssen dahin kommen, dass Wunden erst gar nicht geschlagen werden.

In welchen Städten haben Sie gesammelt?

Mit dem Sammeln von Unterschriften habe ich nach einem Einführungsvortrag der Generalsekretärin von pax christi in Paderborn im Herbst 2011 begonnen. Zunächst im örtlichen Bereich, mit Unterstützung meiner Genossen vom Ortsverband, bei Nachbarn, Bekannten, Freunden und in Vereinen. Ergebnis ca. 200 Unterschriften. Bei den örtlichen Kirchen und Schulen habe ich keine Unterstützung bekommen. Dann ging es weiter auf Parteiveranstaltungen, u.a. auf der Afghanistankonferenz in Bonn im Dezember 2011, dann auf der Dokumenta in Kassel im Sommer 2012, beim Ostermarsch, auf der Gedenkfeier an das Konzentrationslager in Wewelsburg und in der Fußgängerzone in Paderborn und auf den Protesttagen in Frankfurt gegen die Finanzwirtschaft und deren Geschäfte u.a. im Waffenhandel, beim Landraub und der Spekulation mit Nahrungsmitteln (Organisator war Blockupy).

Gibt es Anekdoten? Kleine Geschichten über Begegnungen bei der Unterschriftssammlung? Gibt es bedeutsame Erlebnisse von unterwegs? Bitte erzählen Sie!

Besondere Erlebnisse beim Sammeln: Nach stundenlangem Mühen um Unterschriften glich meine Stimme immer weniger einem Aufschrei. Zweimal hatte ich dann spontane, lautstarke, begeisterte Unterstützung von Gleichgesinnten. Auf der Dokumenta habe ich erfahren, dass in allen Kontinenten gleichgewichtete Friedenskampagnen laufen. In Kassel waren und sind große Rüstungsbetriebe. Deshalb sind bei den Luftangriffen im 2. Weltkrieg Phosphorbomben abgeworfen worden. Vor Phosphorbränden gab es kein Entrinnen, auch nicht in Flüssen. Ältere Kasselaner, die dieses Inferno überlebt haben, konnten sich noch mit Grauen daran erinnern. Die Opfer sind in einem Massengrab beseitigt worden. Ebenfalls auf der Dokumenta baten mich zwei Jugendliche aus Dresden um ein kurzes Interview für einen privaten Sender. In Paderborn waren Zuwanderer besonders interessiert. Ein Zeuge Jehova hatte wegen Kriegsdienstverweigerung im KZ gesessen.

Was sind Ihre friedenspolitischen Ziele?

Wir Linken arbeiten gern mit allen Bürgerbewegungen und sozialen und kirchlichen Organisationen für Frieden und Gerechtigkeit zusammen. Mit Hinweis auf die Türkei und Ägypten muss angestrebt werden, dass Kirchen und Staaten voneinander unabhängig werden. Bewunderung und Skepsis gegenüber meinen Bemühungen habe ich immer gekontert mit der logischen Antwort: „Kriege werden von Menschen geführt und nur Menschen können Frieden schaffen.“